Ein Projekt von Wolfgang Thomas & Micky Pega

Bryanston Cool Gardens

Eingeschworen auf Soul und Blues


Das Repertoire der "Bryanston Cool Gardens" von 1970 - das Jahr, in dem sie sich auflösten - spricht Bände. Stones, Canned Heat, Frijid Pink, Vanilla Fudge, John Mayall und Cream: Die Betzdorfer Formation, die sich 1967 unter dem Namen "Exhaust Fumes" zusammengetan hatte, war auf Blues, Psychedelic, progressive Musik eingeschworen. Im Kreis Altenkirchen und darüber hinaus hat sich die Band damit eine treue Anhängerschaft "erspielt".

Den ungewöhnlichen Namen hatten Bruno Kötting (Gesang), Manfred Kohl (Bass), Wolfgang "Blacky" Blecker (Gitarre) und Gerd Böhmer (Schlagzeug) auf einem Stadtplan von London gefunden. Bruno Kötting: "Da sind wir auf die Bryanston Gardens gestoßen. Und da wir damals schon immer cool sein wollten, haben wir dieses Wort einfach hinzugefügt." Begonnen hatte ihre musikalische Karriere "mit Dash-Trommeln und Akkordeon", wie sich Kötting erinnert. Ihre beiden ersten öffentlichen Auftritte hatten die Vier noch unter dem Namen "Exhaust Fumes" (Auspuffgase): Am 25. November 1967 im Kirchener Gasthof Heikaus, wo es immerhin 205 Mark zu verdienen gab, und an gleicher Stelle drei Wochen später Nummer 2 für eine Gage von 150 Mark.

"Moulin Rouge" und Rosengarten


In einem Album, das Wolfgang Blecker seit den Anfangstagen der Band hütet, sind diese und viele andere Informationen fein säuberlich festgehalten. Zeitungsanzeigen, die Auftritte der "Bryanstons" ankündigen, lassen Erinnerungen an legendäre Tanzlokale im RaumBetzdorf und Umgebung wach werden: Haus am Südhang in Scheuerfeld, der Gasthof Leidig-Knautz in Betzdorf-Bruche, die Kristall-Grotte in Norken und der Gasthof "Zur Morgensonne" zwischen Luckenbach und Nister zählen dazu. Im Betzdorfer Wolferhaus trat die Band bei einem Festival an - mit dabei waren am 25. Mai 1969 außerdem Selection, Et Cetera, die Domestic Animals, Rubber Heart of Soul und die Star Flowers. Gleich vier Engagements innerhalb von drei Wochen gab es im Niederscheldener Gasthof "Rosengarten", und auch ein Gastspiel im "Moulin Rouge" ist registriert.

Da hatten die Bryanston Cool Gardens mit Horst Eberhard schon längst einen brillanten Gitarristen in ihren Reihen - vom Blues besessen und von Hendrix inspiriert. Neben den frühen Rhythm and Blues-Nummern der Stones und der Animals waren es vor allem Soul-Stücke, mit denen die Betzdorfer Musiker begeisterten: "Land of 1000 Dances" von Wilson Pickett, "Knock on Wood" von Sam and Dave, "Dock of the Bay" von Otis Redding. Daran änderten auch eine Reihe von Besetzungswechseln nichts: Fritz Osthold übernahm 1969 das Gesangsmikrophon von Bruno Kötting, Mit Johannes "John" Pfeiffer kam ein weiterer Gitarrist dazu, am Schlagzeug halfen immer mal andere Musiker, unter ihnen "Calle" Heer, aus, und es gab Arthur Groß, der 1970 für einige Auftritte Orgel und Klavier spielte. Vom 7. Mai bis 30.7. gastierten die Bryanston Cool Gardens immer freitags in der Kirchener Diskothek "Le Chateau Noir", am 24. Juli 1970 traten sie beim Betzdorfer Schützenfest auf - danach bedeuteten Bundeswehr, Ausbildung und Studium das Aus.

Wiedervereinigung nach über zwanzig Jahren


Allerdings nur für etwas mehr als 20 Jahre: 1991, am 22. September, standen sie wieder auf der Bühne, der 40. Geburtstag von Wolfgang Blecker war der Anlass. Und weil sie - und das Publikum - bei der Fete im Dorfgemeinschaftshaus von Elben bei Gebhardshain so viel Spaß hatten, gibt es seit diesem Tag wieder die Bryanston Cool Gardens: Bassist Manfred Kohl, mittlerweile Lehrer in Bielefeld, Sänger Bruno Kötting, ebenfalls Lehrer, Schlagzeuger Calle Heer, Johannes Pfeifer an den Keyboards, sowie die Gitarristen Wolfgang Blecker und Klaus Wolf. Die Stilrichtung von einst wurde weitergeführt, heißt es in einer Info zur Band: "Rolling Stones, Eric Burdon, Jimi Hendrix, Soul." Aber auch Stücke von BAP sind dabei, wenn das Sextett in die Saiten greift und in die Tasten haut: Im Sassenrother "Be Bop", in der Kirchener Musikkneipe "Casa", im Gebhardshainer "Westerwälder Hof" oder beim Wissener Tennisclub. Das Ende dieser Beatgeschichte: Nicht abzusehen!

Sieg mit "Get Back" und "Out of Focus"


Aus einem Zeitungsbericht über ein Beatfestival der "St.- Georgs- Pfadfinderschaft" am 24. Mai 1969: "Für einen ekstatischen anmutenden "Knüller" sorgte die Band "Selection". In stürmischer Hingabe an die Komposition "Price of Love" zahlten sie einen ungewöhnlichen "Preis der Liebe": Ein Baß und eine Gitarre gingen überm tosenden Spiel in Trümmer, während sich ein "Vollblutmusiker" spontan seines Hemdes entledigte. "Wir wollten das Publikum nur mal richtig schocken," meinten die Bandboys.

Nach der Band "Et Cetera" 8115 Publikumsstimmen) kamen sie mit dem Votum von 152 Fans auf den zweiten Platz.

Als strahlenden Sieger des Festivals konnte Bernd Schmidt unter frenetischem Beifall die Betzdorfer Band "Bryanston Cool Gardens" vorstellen, den sich auch Pfadfinder- Kurat Kaplan Saltin nicht entgehen liess. 199 Stimmen gab es für die glücklichen Ersten und einen "netten Preis" von 150 Mark. Mit "Get Back", "Rambling", "Out of Focus", "Sunshine of Your Love", "Keep Me Hanging On" sowie George Gershwins "Summertime" hatten sie unter anderem immer wieder hellauf begeistert."



Revival der Bryanston Coolgardens im BeBob Sassenroth ca. 1994 (von links Wolfgang Blecker, Git., Bruno Kötting, Voc., Calle Heer, Dr., Gregor Groß als Gast, Sax., Mani Kohl, Bass, Johannes Pfeifer, Keyboards.
Bryanston Cool Gardens (Revival 1993)
Johannes Pfeifer? beim Absingen von Creedence Clearwater's Bad Moon Rising ... ("Cooperation" 2. Platz beim Beatfestival Bismarckhalle Siegen-Weidenau.



Bryanston Coolgardens in Betzdorf vor dem Rathaus (bei -10 Grad).Zitat Johannes Pfeier: "Wenn ich mich richtig erinnere hatten wir Mühe das Bier zu trinken bevor es einfror - muss ca. 1969 gewesen sein".
Rechts Horst Eberhard (Bryanston Coolgardens) mit Johannes Pfeifer? im "Gitarren-Duell") Anfang 70er Jahre. Im Vordergrund das "durchsichtige" LUDWIG-Schlagzeug von Calle Heer.
In der Band "Cooperation" beim Jugendball ca. 1970 Johannes Pfeifer an der legendären italienischen EKO-Gitarre.